Suchtverlagerung

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    • Suchtverlagerung

      Liebe Forum Freunde

      Ich war nun seit 5 Jahren nicht mehr online. Meinen Bypass habe ich seit August 2014.

      Ich kämpfe seit gut 4-5 Jahren mit einem übermässigem Alkoholkonsum. Mal mehr, mal weniger. Da ich den Konsum nun gar nicht mehr im Griff habe, entschied ich mich für eine Entzugsbehandlung in einer Klinik, in der ich mich derzeit noch aufhalte. Ich werde nur 2 Wochen in der Klinik bleiben, da ich 100% arbeite und mein Arbeitgeber nichts von meiner Sucht weiss.

      Ich würde mich sehr gerne mit anderen Betroffenen unterhalten, falls jemand dafür bereit wäre. Auch gerne Personen, die eine andere Verlagerung durchgemacht haben. Zusammen sind wir stark :friends:

      Liebe Grüsse
      Chrissy
    • Hallo @Chrissy4444,

      Respekt vor deiner Offenheit :danke1:

      Ich habe mehrere Suchtverlagerungen, die mal mehr mal weniger bei mir durchschlagen. Alkohol war auch schon dabei. Da habe ich das Gefühl genossen, jeden Tag mehrere Likörchen zu trinken, bis mein Kopf rot anlief und ich mich schlafen legen musste. Ich bin heilfroh, das ich hier selbst einen Riegel vorschieben konnte.

      Ich tue mich schwer damit, bei seelischen Problemen meinem atypischen BingeEating nicht zu verfallen. Vor allem dem anschliessenden Missbrauch von Abführmittel. Mein Kopf weiß, es hilft nicht, aber der Verstand ist oft ganz weit hinten und sehr leise.
      Vor zwei Jahren musste ich zu Hause versprechen, den Missbrauch von Abführmittel zu beenden. Ich bin stolz, das ich in den letzten zwei Jahren nur 2 oder 3 mal heimlich dazu gegriffen habe. Aber es erscheint mit an manchen Tagen fast schier übermenschlich, diesen Drang zu wiederstehen.

      Suchtverlagerung ist ein Thema, das hier viel zu selten öffentlich gemacht wird. Dabei kann ich mich erinnern, das ich hier vor einigen Jahren auch mit anderen Frauen privat kommuniziert habe und da wußte man nach den Mails sofort,
      wie das Gewicht gehalten werden kann oder was eben dafür alles in Kauf genommen wird.

      Leider wird das oft abstrahiert und man schreibt oder denkt darüber in der dritten Person, so wie ich das gerade hier schreibe. Es kann einen selbst nicht treffen, weil es nicht sein darf.

      Dabei ist gerade das mit dem Alkohol auch so verdammt einfach. Nach der OP ist man mit einem Gläschen sofort bedüddelt und aber auch schnell wieder vermeintlich nüchtern. Und dann hat sich das bei mir zum Beispiel schnell
      verselbständigt. Abend auf der Terasse den süßen SouthernComfort mit GingerAle oder das leckere Likörchen. Dann wird man schön lustig, alles scheint viel einfach zu sein.

      Was spricht deine Klinik, wegen der 2 Wochen Aufenthalt? Machst du danach noch ambulante Therapie. Der Entzug ist das Eine, aber das ist ja nur das Offensichtliche, die Wurzel liegt ja woanders, nehme ich mal an.

      Hast du den schon einen Skills-Koffer für dich zusammengestellt?
      Wenn ich von so einem Suchtverhalten wie Überessen oder diese Gier nach Abführmittel danach überfallen werde, habe ich mir einige Skills erarbeitet.

      Ich hab da zum Beispiel diese glitischen Knetbälle, die ich dann ständig mit der Hand knete. Oder ich meditiere, gehe raus aus der Situation und notfalls auch kurz Einkaufen.
      Außerdem habe ich immer Pfefferminz für mich dabei. An schlimmen Tagen habe ich Gummibänder um die Handgelenke. Das schnalzen auf der Haut, die dann brennt, lenkt mich gut ab.

      Nach einigen Jahren dieser Suchtbearbeitung habe ich das Gefühl, das ich mich gut auffangen kann. War aber ein langer Weg und ich hab noch was vor mir.
      Viele Grüße von
      StraightOn


      alles-wird-leichter.de/
      Zuckerfreier Apfelkuchen

      KEIN Lebensmittel ist per se ungesund oder macht dick. Die Dosis und die Frequenz machen das Gift!
    • Hallo ihr beiden,
      Danke für eure Offenheit!
      Ich lese hier gespannt mit, insbesondere über @StraigthOn s Skills.
      Ich denke, dass viele von uns und damit meine ich auch mich Gefahr laufen, die Esstörung auf etwas anderes zu verlagern .
      Alkohol ist da weit vorne und auch ohne OP ja immer eine Versuchung, die überall zugänglich ist und gesellschaftlich viel zu gut akzeptiert.

      Ich wünsche dir, @Chrissy4444,viel Kraft für den Entzug und hoffe, dass du danach eine gute Begleitung z B in Form einer SHG hast.

      Hoffentlich bekommst du hier noch weitere konstruktive Antworten ^^ .
    • Finde es toll, dass ihr so offen mit der Thematik umgeht. Es macht mir wieder deutlich, dass so eine bariatrische OP kein kurzfristiges Projekt ist, sondern eine Entscheidung mit Auswirkungen für das restliche Leben. Ich bin bisher, knapp ein halbes Jahr nach meiner OP, von Suchtverlagerung noch nicht betroffen, habe das Thema aber im Hinterkopf, weil ich früher mal, vor der OP, auf einem kritischen Weg war was mein Automatenspiel anbetroffen hatte. Was mich wundert, ist dass trotz Bypass offenbar auch Alkohol ein Problem werden kann - ich hatte angenommen, dass Alkohol nahezu automatisch zu einem Dumping führt, weswegen ich aus Furcht davor bisher komplett abstinent geblieben bin. Drücke jedenfalls fest die Daumen, Chrissy, dass dir der stationäre Aufenthalt hilft und du bald wieder unbeschwerter durch deinen Alltag kommst.
    • @Chrissy4444,

      was mir noch eingefallen ist. Ich habe mir ein paar Strategien erarbeitet, um das körperliche Suchtverhalten in den Griff zu bekommen.
      Hier fahre ich am besten mit der Vermeidungsstrategie. Da ich weiß, das ich super gerne grase, nasche und knabbere, vor allem bei seelischen Problemen,
      schaue ich darauf, das ich in solchen Phasen erst garnichts davon einkaufe.

      Naschen und knabbern, das darf schon sein bei mir. Aber eben in Zeiten wo ich keinen seelischen Stress habe. Bei seelischen Problemen kann ich die
      Mengenn nicht mehr kontrollieren.

      Außerdem habe ich bei mir festgestellt, das ich meinen körperlichen Heißhunger mit dem Intervall-Essen fast zu 100 % ausschalten kann. Diese Ernährungsform
      praktiziere ich nun seit über einem halben Jahr und es ist eine ziemliche Erleichterung für mich.

      Ansonsten warte ich seit diesen Frühjahr auf einen freien Platz für mein atypisches BingeEating Problem. Ich bin auf der Warteliste einer Therapeutin, bei der ich
      auch schon Probestunde hatte. Die Wellenlänge passt und sie hat mir schon bei der ersten Probestunde ein paar Skills mit auf den Weg gegeben.

      Hast du Angst das du evlt. gekündigt wirst, wenn dein AG von deiner Alkoholsucht erfährt? Dabei kostet es sehr viel Mut, sich dem zu stellen.
      Ich sehe das bei mir, das kann man nur in den Augenblicken, wo man wirklich stark ist. Das heißt, das du eine starke Persönlichkeit bist.
      Viele Grüße von
      StraightOn


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      KEIN Lebensmittel ist per se ungesund oder macht dick. Die Dosis und die Frequenz machen das Gift!
    • Suchtverlagerung ist gängiger als gedacht.

      Die Hochgefühle und das Dopamin wollen ausgeschüttet werden.
      Klappt das nicht mehr durchs Essen, wird das Beleohnungssystem eben anders aktiviert...
      Egal ob durch Drogen, Alkohol, Sex, Einkaufen etc

      Sofern dich das Gefühl überkommt etwas zu "brauchen" , analysiere dich. Analysiere die Situationen die dich Trinken lassen möchten.
      Frage dich wie du dich fühlst, warum du so fühlst und ob du deine Emotionen auch anders einlenken kannst.


      Diesbezüglich hatte meine Therapeutin folgende Vorschläge für mich:
      Haustier
      künstlerisches Tagebuch
      Tanzen
      Sport, Welness
      Schminken


      Versuch dich von dem Konsumdrang abzulenken und daran zu denken, wie viele Leben und Familien krankhafte Sucht zerstört.

      Du bist besser als das und hast etwas besseres verdient. Wir leben doch alle nur einmal.


      Ich wünsche dir viel Glück und Gesundheit für die Zukunft