Tinas News- Thread #

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    • Tinas News- Thread #

      Tinas News- Thread: das Leben besteht nicht nur aus Operiertsein

      Nun ist es also soweit. Nachdem der eine oder andere schon an meinem Alltag auf wirklich empathische Weise teilgenommen hat und ich auch einige persönliche Nachrichten erhalten haben, starte ich mit einem eigenen Thread durch, um meinen Senf nicht dauernd in die falschen Vereiche zu dröhnen. Wer gern etwas über den außergewöhnlichen Alltag in einer Familienanalogen Wohngruppe lesen möchte und sich fragt, wie man als Operierte das bewerkstelligt, darf also gern mal reinlesen.
      Für die, die die Fakten interessieren, gebe ich mal einen kleinen Einblick.
      Ich leite seit nunmehr fast 6 Jahren eine Einrichtung der Stationären Jugendhilfe (also auch schon als dicker Brummer) . Ziemlich genauso lange ist es her, dass das jüngste unserer 4 eigenen Kinder ausgezogen ist.
      Hier arbeite und lebe ich also gemeinsam mit meinem Mann ( KEIN Pädagoge, sonder Versicherungsfuzzi). Ich bin nicht nur innewohnende Fachkraft, sondern auch Traumapädagogin. Somit kann man sich denken, dass den Weg in unsere Einrichtung Kinder mit diversen Belastungen finden. Allesamt wegen akuter Kindeswohlgefährdung aus der Familie genommen.
      Nun ja….heute, nach einer 5-stündigen Dienstbesprechung mit meinem pädagogischen Leiter, stand ich ( die allzeit resolute, forsche Tina) innerlich vorm Burnout.
      Mir fehlt seit Anfang November Personal. In Zahlen bedeutet das: ich habe seitdem wöchentlich nur noch 9 Stunden Unterstützung, 33 stehen mir zu. Aber es gibt einfach kein pädagogisches Personal! Und das ist verpflichtend. Hier darf nicht jeder arbeiten.
      Bei uns in Schleswig-Holstein fängt erst am Montag wieder die Schule an. Und alle drei Kinder ( wir habe drei Plätze) brauchen SO eine umfangreiche Betreuung, dass ich jeden Tag vom 6.30 bis 21 Uhr arbeite. Seit Anfang November, abzüglich der Schulzeiten.
      Somit saß ich heute um 15 Uhr heulend im Auto und habe dann im Fitnesstudio die Geräte malträtiert. Nun liege ich mit einem Glas Wein in der Badewanne ( mit einem Saftglas voll Wein!) und will nicht mehr raus, so lange ich die Meute unten höre, die gerade vom meinem lieben Mann mit Chips gefüttert wird.
      Was hat das alles in einem Adipositasforum zu suchen? Nun, ich denke, wir alle sind nicht vom allein fett geworden. Nun habe ich seit 10 Monaten meinennOmwga-Loop, habe schön abgenommen und ziehe mir Wein und Naschis rein. Ich vertrage zwar alles und konsumiere nur kleine Mengen. Schlimm ist es, wenn es einem egal wird. Und heute ist es mir sowas vom egal. Unter Pädagogen gibt es haufenweise Adipöse. Wir sind die sogenannten hilflosen Helfer. Ich mache meiner Arbeit nicht zu 50% , wie manche Kollegen. Ich berate außerdem andere Wohngruppen und gebe Schulungen, das ist das, was ich mag. Aber viel zu wenig. Ich hadere mit meinem Beruf und mit meinem derzeitigen Leben. Und das ist eine verdammte Scheisse. Nächste Woche habe ich Supervision. Der Dame werden die Ohren klingeln. Und ich muss mich irgendwie in die Spur kriegen, dass ich nicht in die Egal-Schiene rutsche.
      Ich danke euch fürs Lesen <3

      Liebe @tina0403, lass dich als Allererstes ganz, ganz fest drücken!!

      Ich weiß ja, dass du für deinen Beruf brennst und das wirklich mit ganzem Herzen machst, und ich finde es verd... sxh..., dass du damit so sehr allein gelassen wirst! Uch verstehe ja, dass pädagogisches Personal nötig ist. Aber wenn es nunmal nicht vorhanden ist, muss es doch Ausnahmen geben, du gehst ja sonst kaputt! Und es kann ja auch nicht sein, dass die einzigen Mini-Auszeiten, die du hast, durch deinen Mann abgeleitet werden, der das ja unter anderem auch nicht bezahlt bekommt (und es auch machen darf, obwohl er kein Pädagoge ist..)

      Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft!!
    • Och Mönsch, liebe Tina, ich hatte wirklich für Dich gehofft, das es besser wird! Schicken die meine Blage wieder ins Homeschooling, schick ich sie zum arbeiten zu Dir. Kann sie fein Theaterpädagogisch mit den Kids arbeiten...
      Außerdem finde ich es super, das Du Dir hier alles von der Seele schreibst! Genau so etwas gehört hier, meiner bescheidenen Meinung nach, nämlich ins Forum.
      Denn unser Leben beeinflusst unsere Seele, unser Gewicht...Lesen, wie es anderen geht, wie sie damit umgehen...auch das kann eine Menge Input geben.
      Eigentlich würde ich Dir jetzt gerade einen Berg voll Kraft wünschen....aber das führt nur dazu, das du weiter und immer weiter mehr gibst, als gut ist...
      Ich wünsche Dir von Herzen eine Lösung!!!
      Kann man nicht bestimmte Aufgaben, die Du ja auch übernimmst, wie kochen, putzen etc an nicht pädagogisches Personal abgeben? Pädagogisch wertvoll putzen oder kochen muss ja nicht sein, oder?

      Geißel Dich nicht wegen den Naschis, wenn Du das Gefühl hast, damit umgehen zu können. Zum Alk kann ich nichts sagen, ich trinke aus Überzeugung und Respekt keinen.
      Ich wünsche Dir trotz allem einen schönen Restabend, schwimm nicht zu weit raus!
    • Hab mal eihnen anderen Gedanken zum Thema, alles aus persönlichen Erfahrungen gewachsen:
      Mich macht anpassen, lieb sein, erfolgreich sein, Supermami sein, es allen nur mir nicht recht machen.....
      KRANK
      Ich mache das nämlich schon mein ganzes Leben und 2x dafür eine Fette Depression kassiert.
      Nach der letzten habe ich etwas den Weg zu mir gefunden und bin seit dem ständig am Wachsen u forschen, was mir gut tut.
      Damals war es nicht der Job sondern 12 Jahre Beziehung mit 2 gemeinsame Kids, die ich veränderte.
      Mir geht es recht gut so.
      Vielleicht brauchst du einen neuen Weg für dich.
      Mach was dir gut tut.
      Ich, w, 36, 172cm, 2 Kids

      106 kg Start 21.09.2020

      96 kg OP 26.12.2020 (viel Sport)

      92.5 kg 2.1.2021


      :positiv:
    • Ich bin gedanklich und mit dem Herzen ja schon eine Zeit lang mit dir und bewundere dich.
      Kann es sein, dass du mit den Pfunden auch dein dickes Fell verloren hast? Mal das fehlende Personal außen vor gelassen, was könnte denn das dicke Fell wieder herstellen? Also ich meine jetzt nicht Essen, hoffe, das ist klar. Aber was baut dich seelisch auf? Was ist machbar für dich in den vollen Alltag zu integrieren? Wie geht es deinem Mann? Ist er auch schon so durch wie du? Oder geht er anders damit um? Wenn ja, wie?
      Hmmm, viele Fragen, aber vielleicht findest du eine Antwort und einen Weg, der dir etwas Kraft und ein dickere Fell gibt?
    • Danke für euren Zuspruch @Floretta u d @Waterbottle :love:
      Ich werde nicht allein gelassen, es gibt faktisch niemanden. Mein Arbeigeber versucht wirklich alles Menschenmögliche, aber die Landesjugendämter geben die Richtlinien vor.
      Und @Floretta , ich brenne leider nicht für meinen Beruf ;( . Ich habe an mich den Anspruch, es so gut wie möglich zu machen und die Kinder und Jugendlichen zu gut wie möglich zu begleiten. Tatsache ist: bei denen ist der Zug leider schon abgefahren. Bis auf ein bisschen Hermumfeilen ist eigentlich nicht möglich. Die Sache mit der Theaterpädagogik ist lieb gedacht, aber bei den hier lebenden Kindern nicht möglich. Gemeinsam
      einen Kuchen zu backen oder draußen Brombeeren pflücken stellt schon einen absoluten Glücksfall und die Ausnahme dar. Stellt euch vor, dass oft nicht mal ein halbstündiger Spaziergang möglich ist, weil ein Kind schreiend im Gebüsch liegt oder sich draußen nackt auszieht oder abhaut. Das sind arme Kinder, die nicht mehr in Pflegefamilien vermittelbar sind. Es ist einfach nur Alltagsbewältugung. Dazu gehört die genaue schriftliche Dokumentation, Austausch mit Vormündern, Ämtern, Theraoeuten, Elternarbeit (kotz) Entwicklungsberichte, Haushalt, Therapietermine.
      Aber ich mache alles davon lieber als momentan die Betreuung. Und die macht mich echt fertig.
    • happyroni schrieb:

      Ich bin gedanklich und mit dem Herzen ja schon eine Zeit lang mit dir und bewundere dich.
      Kann es sein, dass du mit den Pfunden auch dein dickes Fell verloren hast? Mal das fehlende Personal außen vor gelassen, was könnte denn das dicke Fell wieder herstellen? Also ich meine jetzt nicht Essen, hoffe, das ist klar. Aber was baut dich seelisch auf? Was ist machbar für dich in den vollen Alltag zu integrieren? Wie geht es deinem Mann? Ist er auch schon so durch wie du? Oder geht er anders damit um? Wenn ja, wie?
      Hmmm, viele Fragen, aber vielleicht findest du eine Antwort und einen Weg, der dir etwas Kraft und ein dickere Fell gibt?
      Ich danke dir, das sind viele tolle Fragestellungen.
      Ich werde bald 53, es ist schwierig, nochmal komplett die Richtung zu wechseln. Ich habe vor etlichen Jahren-als meine eigenen Kinder noch klein waren- einige Semester Erziehungswissenschaften und Soziale Verhaltenswissenschaften studiert. Ohne Abschluss. Um diesem großen Wissensdurst nachzukommen, habe mich nun wenigstens für eine sozialpsychiatrische Zusatzqualifikation angemeldet, die im Februar startet. Mein Chef unterstützt das und ich kann es über maximal drei Jahre ausdehnen. Wenn ich zur Schulung muss, springt mein Mann ein (übrigens nicht komplett unentgeltlich, er ist geringfügig beschäftigt, wie alle Ehepartner).
      Ich muss alles so in den Alltag einbauen, wie es passt: Fitnesstudio, mal eine Freundin treffen oder meinen eigenen Kinder und Enkel. Da sind dann die Wohngruppenkinder meistens dabei.
      Meine Kollegin, die hier mickrige 9 Stunden arbeitet, wird uns jetzt 1 Wochenende im Monat entlasten, an dem mein Mann und ich mit dem Wohnmobil wegfahren.
      Und zum Alkohol: der ist natürlich keine Lösung. Aber das ist Milch auch nicht :D
    • Hallo Tina,

      Ich finde es ist so ein Armutszeugnis wie es in unserem reichen Land um unser Gesundheistssystem und Pädagogik bestellt ist. Es fehlt an allen Ecken und Enden, und woanders werden Milliarden in irgendwelchen Luxus investiert den kein Mensch braucht.

      Ich kann mir wahrscheinlich nur ansatzweise vorstellen wie Dein Tag abläuft, ich habe nur ein High Need Kind und arbeite 35h in der Woche am Schreibtisch. Aber was wir alleine die letzten 4 Jahre für eine Odyssee hinter uns haben bis wir endlich eine Diagnose hatten. Und die hilft zunächst auch nicht weiter, dann ging der Kampf erst richtig los. In irgendwelchen Internetforen musste ich mir Infos zusammen suchen was meinem Kind eigentlich zusteht. Für die ganzen Anträge hätte ich ne Sekretärin beschäftigen können. Der Antrag für die Kostenübernahme für eine Therapie dauerte 5 Monate. Tja, nu stehen wir immerhin auf der Warteliste, die ist so ca. 1,5 Jahre lang. Bis dahin gibt es für mich keinerlei Hilfe. Ich hab mir jetzt fast alle Bücher die es auf dem Markt zur Thematik gibt gekauft und studiere es nun einfach selbst :nix: geht schneller. Meine eigene Therapeutin zu der ich eigentlich letztes Jahr wieder gehen wollte hat ihre Elternzeit verlängert, also kann ich mich da auch nicht ausheulen.

      Ich wünsche Dir von ganzem Herzen dass sich die Situation für Dich zum Guten wendet. Sicherlich kann unser Staat keine Pädagogen und Therapeuten herzaubern, aber er könnte Anreize schaffen diese Berufe attraktiver zu machen. Und verdammt nochmal zu honorieren was die Leute leisten. Es kann doch nicht sein das ich Sesselpupser fast das doppelte verdiene wie meine gleichaltrige Nachbarin in der Altenpflege.

      Ach, sorry, ich könnt mich nur noch aufregen.

      Liebe Tina, halte durch. Du bist ne klasse Frau, ich bewundere dich wie Du das alles schaffst.

      :gutenacht:
      Sunny0
      15.06.2020 Erstgespräch AZ Mannheim
      16.06.2020 Start MMK mit EB Startgewicht: 140kg BMI 47,9
      22.02.2021 Start Eiweißphase Gewicht: 147 kg BMI 50,4
      08.03.2021 Roux-Y-Bypass UMM
      08.05.2022 Gewicht 85 kg
    • Alles was Sunny0 im ersten und letzten Absatz geschrieben hat, kann ich nur bestätigen.
      Ich kann nicht nachvollziehen wie das ist was Du beschreibst @tina0403, da ich nie einen Job so nahe rangelassen habe, dass er mein Privatleben beeinflußt. Ich war niemals arbeitslos und bin es auch jetzt nicht. Ich habe viel versucht und getan aber ein Job ist für mich Mittel zum überleben - mehr nicht.
      Sogar Dinge die ich als Hobby leidenschaftlich gerne tat, und ich die Chance bekam, sie zu meinem Beruf zu machen, habe ich abgeblockt. Weil sobald ich etwas machen MUSS ist bei mir die Luft raus, kein Wille, keine Lust und keine Kreativität mehr vorhanden. Das ist so ne Art Minianarchismus der in mir gegen jegliche Arten von sogenannten "Autoritäten" rebelliert. Diese Eigenschaft, dieser Dämon hat mich viel Geld und sehr viele Karrieremöglichkeiten gekostet.
      Und nein, ich bin kein Wutbürger und/oder Querdenker, ich habe mir nur nach meiner Militärzeit geschworen, nie wieder Anweisungen von jemanden entgegenzunehmen, der einen niedrigeren IQ als ein deutscher Schäferhund hat. Nur wer die Zähne fletscht, laut bellt und seinem Herrn die Füsse leckt hat nicht zwingend Recht.
      Tja.
      Möglcherweise bin auch deshalb so fett geworden, unter dem Motto:
      "Schlank sein ist inn? Ich MUSS also gesünder leben? Was MUSS ich?! Gar nichts muss ich! Na dann seht mal her! Mampf..."

      Wie auch immer - was ich damit sagen will ist, ich kenne die von Dir beschriebene Situation nicht und hüte mich daher irgendwelche Tipps auszusprechen.
      Aber ich möchte, dass Du Dir meiner Anteilnahme gewiß bist und wünsche Dir, dass Du diese schwere Zeit gut bewältigst.
    • Ach @Sunny0, das ist ganz lieb mit deiner Bewunderung ^^ . Die verdienst du ebenso als alleinerziehende Mutter eines Kindes mit hohem Bedarf.
      Ich habe keinen so schlechten Verdienst, unter anderem ist dadurch so etwas wie ein Wohnmobil möglich. Nützt nur nicht so viel, wenn man nicht so oft wegkommt. Aber ich muss sagen: ich beneide dich stellenweise ums Sesselpupen :thumbsup: Ich habe leider für einen reinen Bürojob nicht die Ausdauer, weshalb es mir auch nicht möglich war, so eine Berufsrichtung einzuschlagen. Ich habe zwischenzeitlich mal bei meinem Mann in der Versicherungsagentur ausgeholfen. Er hat mich nach einigen Monaten als ungeeignet entlassen :whistling: . Wegen Unfreundlichkeit den Kunden gegenüber und chronischer Ungeduld beim Durchschauen des Systems.
      Was Anträge für Kinder betrifft, so kann ich dir voll zustimmen: es ist ein Armutszeugnis, was da in unserem „Wohlstandsland“ passiert. Als Beispiel: ein Jugendhilfekind in unserem Kreis hat einen Anspruch auf exakt 1 Fahrrad im Wert vom bis zu 100 Euro während der gesamten Dauer der Fremdunterbringung. Wenn ich also eines für ein 6 jähriges Kind anschaffe, muss ich ihm sofort eintrichtern, ab nun keinesfalls mehr zu wachsen, denn das muss jetzt reichen.
      Davon könnte ich etliche Beispiele geben.
    • Tinas News- Thread: das Leben besteht nicht nur aus Operiertsein

      Uff Tina, du hast eine ganz schön heftige Last zu tragen. Und traurig immer wieder Beispiele zu hören wie sehr man in sozialen Berufen ausgenutzt wird. Weil man eben nicht die Arbeit einfach liegen lassen kann geht es ja immer irgendwie. Auf diem Rücken derer, die noch da sind.

      Es gibt viele dicke Pädagogen...das ist wahr. Ich bin auch eine davon.

      Ich arbeite zwar nur in einer Tagessonderschule für schwerst mehrfach beeinträchtigte Kinder und Jugendliche und kann abends nach Hause, aber den Mangel kenne ich auch nur zu gut. Und dann geht es immer irgendwie doch, weil.... siehe oben. Und das obwohl mein Arbeitgeber echt bemüht ist sich um seine Leute zu kümmern. Wo keine Bewerber sind kann auch niemand angestellt werden. Wobei wir was Fachfremde angeht inzwischen sehr grosszügig sind.
      Als Schulische Heilpädagogin kann ich mir die Arbeitsstelle quasi ausssuchen. Aber der Mangel um einen herum, der ist eben überall.

      Ich drücke dir die Daumen, dass Besserung zumindest bald in Sichtweite kommt.

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    • tina0403 schrieb:

      Ach @Sunny0, das ist ganz lieb mit deiner Bewunderung ^^ . Die verdienst du ebenso als alleinerziehende Mutter eines Kindes mit hohem Bedarf.
      Ich habe keinen so schlechten Verdienst, unter anderem ist dadurch so etwas wie ein Wohnmobil möglich. Nützt nur nicht so viel, wenn man nicht so oft wegkommt. Aber ich muss sagen: ich beneide dich stellenweise ums Sesselpupen :thumbsup: Ich habe leider für einen reinen Bürojob nicht die Ausdauer, weshalb es mir auch nicht möglich war, so eine Berufsrichtung einzuschlagen. Ich habe zwischenzeitlich mal bei meinem Mann in der Versicherungsagentur ausgeholfen. Er hat mich nach einigen Monaten als ungeeignet entlassen :whistling: . Wegen Unfreundlichkeit den Kunden gegenüber und chronischer Ungeduld beim Durchschauen des Systems.
      Was Anträge für Kinder betrifft, so kann ich dir voll zustimmen: es ist ein Armutszeugnis, was da in unserem „Wohlstandsland“ passiert. Als Beispiel: ein Jugendhilfekind in unserem Kreis hat einen Anspruch auf exakt 1 Fahrrad im Wert vom bis zu 100 Euro während der gesamten Dauer der Fremdunterbringung. Wenn ich also eines für ein 6 jähriges Kind anschaffe, muss ich ihm sofort eintrichtern, ab nun keinesfalls mehr zu wachsen, denn das muss jetzt reichen.
      Davon könnte ich etliche Beispiele geben.
      Wahnsinn. Wie traurig. Das kann nur von Verwaltern stammen die nur die Zahlen auf dem Tisch sehen und dem Glauben nachhängen, eine Fremdunterbringung sei jeweils nur von kurzer Dauer.

      Leider sind die Kinder, die zurückkönnen, doch sehr in der Unterzahl.



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    • Vielen Dank für deine Anteilnahme @Isac . Ich habe zahlreiche Gründe, beruflich nicht das getan zu haben, was mir „Spass macht“ . Die Wohngruppe ist die Konsequenz dessen, was du selbst befürwortest: kein Druck von oben, ich arbeite, wie ich es für richtig halte, niemand redet mir rein oder kommt mir blöd. Die Jugendhilfe setzt leider Grenzen (die ärgerlichsten sind finanzieller Natur). Mehrfach mit den geschädigten Kindern in Quarantäne gewesen zu sein, Homeschooling und Personalmangel haben mich ausgelaugt. Und es ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem ich es nicht ertrage, alle 30 Sekunden meinen Namen zu hören, ohne das Kleinvolk beim nächsten Klingeln an durchreisende Schlawiner zu verkaufen. Aber glaub mir: die nimmt niemand. Nicht für Geld und gute Worte.
      Schlimm ist gerade: 1.:kein Fachpersonal in Sicht. Und 2. : die Kinder machen im Großen und Ganzen kaum Fortschritte. Wodurch bei der Arbeit Erfolgserlebnisse eher selten sind.
    • Lukka schrieb:

      Uff Tina, du hast eine ganz schön heftige Last zu tragen. Und traurig immer wieder Beispiele zu hören wie sehr man in sozialen Berufen ausgenutzt wird. Weil man eben nicht die Arbeit einfach liegen lassen kann geht es ja immer irgendwie. Auf diem Rücken derer, die noch da sind.

      Es gibt viele dicke Pädagogen...das ist wahr. Ich bin auch eine davon.

      Ich arbeite zwar nur in einer Tagessonderschule für schwerst mehrfach beeinträchtigte Kinder und Jugendliche und kann abends nach Hause, aber den Mangel kenne ich auch nur zu gut. Und dann geht es immer irgendwie doch, weil.... siehe oben. Und das obwohl mein Arbeitgeber echt bemüht ist sich um seine Leute zu kümmern. Wo keine Bewerber sind kann auch niemand angestellt werden. Wobei wir was Fachfremde angeht inzwischen sehr grosszügig sind.
      Als Schulische Heilpädagogin kann ich mir die Arbeitsstelle quasi ausssuchen. Aber der Mangel um einen herum, der ist eben überall.

      Ich drücke dir die Daumen, dass Besserung zumindest bald in Sichtweite kommt.

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      Danke für deinen Zuspruch ^^ @Lukka. Hier gibt es leider keine Sonder- oder Förderschulen mehr. Dank Inclusion darf jedes noch so gebeutelte Kind mit einem IQ über 70 auf einer ganz normalen Grundschule direkt vor die Wand laufen.
      Unser FAS Kind wird dieses Jahr 7-jährig eingeschult und hat einen IQ vom 100-105. Nützt ihr durch ihre massiven Einschränkungen nur nichts, sie hat keinen Zugriff auf das, was im richtigen Moment nötig ist. Du kennst solche Kinder sicherlich.
      In diesem Fall wäre ein weitaus geringerer IQ ein Segen, dann könnte sie gut behütet eine Schule für geistig behinderte Kinder besuchen.
    • Tinas News- Thread: das Leben besteht nicht nur aus Operiertsein

      Himmel, ja das kenn ich. FAS ist tückisch.

      Wie gehst du mit der Wut um auf diejenigen die dafür verantwortlich sind, dass sie Kinder so sind wie sie sind?

      Inklusion wäre das eine wenn die 'normalen Schulen' darauf ausgerichtet wären. Sind sie aber nicht. Fängt beim IV-WC und beim Lift an und hört bei Betreuungsschlüssel und Klassengrösse nicht auf. Man kann durchaus sehr verschiedene Kinder zusammen beschulen, sogar mit viel Kreativität am gemeinsamen Lerngegenstand, aber nicht alleine mit 20 Kindern in der Klasse. Das Spektrum ist ja schon bei einer 'normalen Klasse' ziemlich gross.

      Ich habe vor allem Kinder bei welchen die meisten mit den Händen über dem Kopf zusammen schlagen. Seltene Syndrome, Unfallfolgen, böse Stoffwechselgeschichten und auch Tumorerkrankungen. Von meinen 6 Kindern in der Klasse haben 5 eine PEG und 2 etwas Lautsprache. Eine mit Augensteuerung und eine mit dynamischem Talker. Was beides kein Indikator für Intelligenz ist. Das Spektrum geht von 'lernt Mathe, Deutsch, Englisch wenns gesundheitlich und Verhaltenstechnisch soweit geht' bis 'Wahrnehmungsförderung in der letzten Lebensphase'. Dafür sind wir zu viert mit 6. 3 Assistentinnen und ich, alleine, vergiss es mit den fruchtbaren Lernmomenten, von der Sicherheit ganz zu schweigen.

      Aber einen Vorteil bietet der Job...ich kenn mich aus mit püriertem Essen und winzigen Portionsgrössen....ich hoffe, das hilft mir wenn es dann soweit ist.

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    • Tina ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen für dich. Pass auf dich auf und versuche dich um dich zu kümmern soweit es dir möglich ist. Ich weiß wie schnell man im sozialen Bereich ausbrennen kann. Leider ist der schreibkram mittlerweile auf ungeahnte Höhen gewachsen. Ein Satz von mir war immer. Wichtig ist nicht das es gemacht ist wichtig ist das es dokumentiert ist.
      Liebe Grüße Anette
    • Liebe Tina,
      das klingt, als sei es an der Zeit, dass du mit Unterstützung eine Standortbestimmung und Auslegeordnung für dich machst und dir überlegst, was du wie und in welchem Ausmass in deinem Leben zukünftig willst und welchen Preis du bereit bist, dafür zu bezahlen. Vielleicht ist es Zeit für Veränderungen und vielleicht reicht aber auch, wenn du dir wieder einen anderen Zugang erschliessen kannst oder aber an die Prioritätensetzung anders herangehst. Ich arbeite im Kindes- und Erwachsenenschutz, in Deutschland würde das der Ebene Familiengericht entsprechen. Ich weiss nur zu gut, welche Energie und Kräfte einem da manchmal abverlangt werden. Gerade auch, weil genügend Anteile dieser Arbeit auch immer wieder Hilflosigkeit und Aushalten beinhalten, sei es gegenüber der Betroffenen, dem System, betriebsinternen Gegebenheiten usw. Ich habe insbesondere in den ersten Monaten meiner Abnahme stark damit gehadert, dass ich nun konsequent mir selber und meiner Gesundheit die höchste Priorität einräume und auch einräumen muss. Habe mir immer und immer wieder sagen müssen, dass das nicht egoistisch, sondern notwendig und gesund ist. Lange war ich der Ansicht, dass mein Job nicht möglich ist, ohne Tonnen von Überstunden, Wochenendeinsätzen usw pp., dass das ein Stück weit einfach dazu gehört, wenn man den Anspruch an sich hat, den Job gut und sorgfältig zu machen. Über die Monate habe ich nun aber, auch dank meiner Psychiaterin die mich seit der Abnahme begleitet, gemerkt, dass diese Ansicht in erster Linie auch damit zu tun hatte, wie stark ich mich früher über meinen Job definiert habe. Und worin ich andere immer bestärkt und entsprechend beraten habe, nämlich der eigenen Selbstfürsorge die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, das habe ich für mich selber sträflichst vernachlässigt. Auch aus der irrigen Meinung heraus, dass ich stark und intelligent genug bin, das schon alles hinzukriegen. Hat mir viele viele Kilos Übergewicht und eine Sinnkrise beschert. Und was soll ich sagen, heute opfere ich mich bei weitem nicht mehr in diesem Umfang für meine Arbeit auf. Und trotzdem mache ich meinen Job nach wie vor überaus seriös, sorgfältig und engagiert. Aber nicht mehr bis zur Selbstaufgabe. Ich wünsche dir sehr, dass du für dich einen Weg findest, die nötigen Veränderungen in deinem Leben oder Denken vornehmen zu können, damit du eine für dich passende und gesunde Work-Life-Balance hinkriegst. Du bist ein toller und unglaublich starker Turbo-Zwerg, aber auch die müssen zuerst auf sich selber aufpassen. :knuddel:
    • Oh @tina0403 , kein Wunder das du dich auspowern musstest letztens. Das ist so traurig- wie die Kinder und auch die Menschen die ihnen helfen wollen im Stich gelassen werden! Nachvollziehen kann ich es leider nur in sofern das auch uns massivst Personal fehlt- auf Kosten derer die Zurückbleiben wenn wieder ein junger Kollege:in kündigt weil anderswo die Bedinungen besser sind und/oder weit besser bezahlt wird. So wird das System immer kränker, die verbliebenen Mitarbeiter genauso- bis der nächste aufgibt oder kaputt geht und das ganze noch tiefer in die Sch... geritten wird während von oben - wie so oft- nichts kommt das irgendwas besser macht....
      Drück dich ganz fest - und bitte schau nach dir. Wenn du ganz ausfällst hilfst du auch niemandem mehr- und du hast nur genau dieses eine Leben! Achte und Hüte es!
      Das Leben ist zu kurz für IRGENDWANN :zwinker:
    • Wie lieb ihr alle seid <3
      Ich war letzte Nacht bis 2 Uhr wach und die Gedanken kreisten. Damit mein Mann schlafen konnte, habe ich im Mitarbeiterzimmer übernachtet. Ich habe einige Punkte, die ich bereits in Teilen mit der päd. Leitung besprochen habe und die nun umgesetzt werden.
      1. Ich ziehe alle Schulungen durch, die ich geplant habe. Das ist für mich Freiraum, rauskommen und das, was mein Kopf einfach braucht neben der täglichen Arbeit. Ich liebe das!!
      2. Mein Mann und ich haben gesichert ein Wochenende im Monat frei. Hierfür wird eine ehrenamtliche Kraft eingesetzt, solange das Personal fehlt. Zusätzlich macht meine liebe Kollegin, die hier nur 9 Stunden hat, einige Extrastunden, bis jemand gefunden wurde.
      3. Ich habe mir für den ganzen Monat Termine fürs Fitnesstudio fest eingetragen- als Termine! Ebenso Friseur und Nagelstudio.
      4. Ich kann unser I- Kind täglich eine Stunde länger im Kindergarten lassen.
      5. Ich melde die beiden Schulkinder während der Osterferien für eine Woche in der Ferienbetreuung an.
      Jetzt liegt mir noch ein Riesenberg Kleidung auf der Seele, den ich gern verkaufen möchte. Ich besitze Unmengen :D , weil ich so gern shoppe. Falls also jemand Pullis, Hosen, T Shirts, Jacken in Größe 40 bis 50 sucht: SCHREIBT MICH GERNE AN :thumbsup:
      Ich brauche schließlich Geld für meine Auszeiten ^^
      Mein liiieber Mann hat mir angeboten, dass ich einige Tage ganz allein wegfahre und er hier die Wohngruppe allein managt <3 . Er hat das auch gemacht, als ich operiert wurde, allerdings mit Unterstützung meiner mittleren Tochter. Ich muss darüber mal nachdenken.
      Heute war tatsächlich ein guter Tag. Eines unserer WG Kinder hat heute Geburtstag und hat noch nie einen Geschenketisch mit Torte gehabt. Das war wirklich süß, wie sie sich gefreut hat. Dann waren wir alle im Chinarestaurant und danach im Tierpark. Nächste Woche feiern wir dann mit ihren kleinen Freundinnen Kindergeburtstag Jetzt heißt es Daumen drücken, dass nicht noch am Abend das Mama-Vermissen übermächtig wird :drueck:
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