Ich habe versagt und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll

    • Ich habe versagt und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll

      Hallo liebes Forum,

      es ist eine Weile her, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe und leider lief es bei mir... rückwärts und bergab.

      Die Geschichte:
      Ich hatte im Mai 2022 meine Schlauchmagen OP im Klinikum Tübingen (Plattform Adipositas) mit einem Ausgangsgewicht von ca. 195 Kilo. Daraufhin lief es sehr gut - ich hatte mit 25 meine erste Freundin, bin nach Ostdeutschland für ein Masterstudium gezogen und habe aktiv Sport gemacht. Im Bestwert habe ich an den 125 kg gekratzt. Doch dann ging alles bergab.
      Ich hatte viel Stress im Studium, die Beziehung ging nach langsamen auslaufen zu Ende und ich konnte durch die weite Distanz nicht mehr die Nachsorge vor Ort in der Klinik wahrnehmen. In dieser Zeit ging das Gewicht auch wieder hoch. Schlechte Gewohnheiten setzten wieder ein und zack - das Gewicht ging wieder nach oben. Leider scheint die OP kurzzeitig geholfen zu haben, da man zu besserer Ernährung gezwungen war, aber die schlechten Verhaltensweisen wurden langfristig nicht behoben (Stressessen, Frustessen, Binge-Eating etc.).

      Ich will hier kein Mitleid erhaschen, da es komplett meine Schuld ist aber ich bin aktuell sehr verzweifelt und sehe keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Ich bin mittlerweile bei knapp 155-160 kg und schaffe es nicht, den Ausstieg aus der Spirale zu finden.
      Während meiner Zeit in Ostdeutschland habe ich einen Psychiater aufgesucht (wegen Panikattacken etc.), der bei mir ADHS und eine Angststörung mit Depression festgestellt hat. Dort habe ich auch ein Antidepressivum verschrieben bekommen, allerdings habe ich das Gefühl, dass seither zwar meine psychische Gesundheit etwas besser ist, ich aber noch schneller zunehme.

      Klar sehe ich auch die offensichtliche Maßnahme mich wieder an mein Adipositaszentrum zu wenden, da ich wieder zurück in der Region Tübingen bin - allerdings schäme ich mich extrem für meinen Kontrollverlust und fühle mich, als ob ich die Zeit von allen beteiligten Personen verschwendet habe und versagt habe. Zudem habe ich massive Schwierigkeiten mich zum regelmäßigen Sport zu motivieren und wieder richtige Mahlzeiten einzunehmen, obwohl ich es eigentlich will. Es ist, als ob mein Gehirn zwei verschiedene Personen beinhaltet, die gegeneinander kämpfen.

      Habt ihr damit bereits Erfahrungen gemacht und wie habt ihr es ggf. geschafft da wieder rauszukommen? Und vor allem: Wie geht ihr mit diesem Gefühl des Versagens um?

      Vielen Dank bereits für alle hilfreichen Kommentare.
    • Lieber AnBa, das tut mir leid!
      Ich habe auch einen Schlauchmagen und ich kann dir sagen, was ich machen würde, wenn es nicht mehr klappt und ich es nicht mehr im Gtiff hätte: ich würde eine weitere OP (Bypass) machen oder die Spritze nehmen. Und ich würde mir NICHT DEN GERINGSTEN Vorwurf machen! Ja, man kann mit falscher Ernährung den OP-Erfolg torpedieren, aber man kann auch nur begrenzt gegen die Erkrankung Adipositas ankämpfen. Es ist total sinnvoll, psychische Probleme therapeutisch anzugehen, aber ich denke, dass die Adipositas noch eine starke körperliche (hormonelle) Komponente hat, gegen die man nur operativ oder mit Medikamenten ankommt.
      Gräm und schäme dich nicht! Geh in dein oder irgendein AZ und lass dir helfen. Das würdest du bei jeder anderen Erkrankung, die wieder kommt, auch so machen.
    • Hallo AnBa,

      wenn du eins garantiert nicht musst, ist dich zu schämen. Adipositas ist eine Krankheit und wird uns allen erhalten bleiben. Sei mutig und such dir Hilfe in einem AZ deines Vertrauens. Du hast mit deinen psychischen Problemen ein großes Päckchen zusätzlich zu tragen, so dass es alleine auch nicht klappen wird. Du kannst nicht gleichzeitig allein gegen alles kämpfen. Jetzt die Reißleine zu ziehen und sich wieder Hilfe zu suchen, ist kein versagen.

      Hier sind einige, die es auf den ersten Anlauf nicht so gut geschafft haben bzw. jetzt noch Unterstützung durch Ozempic und co brauchen. Das ist kein Beinbruch.

      Brauchst du die Antidepressiva unbedingt? Würde dir eine gute Psychotherapie/Verhaltenstherapie nicht ggf. mehr helfen? Aus Erfahrung schwöre ich bei Angststörung und Depressionen auf Psychotherapie in Verbindung mit Homöopathie, Bodyscan nach Jon Kabat Zinn und Meditation. Aber das nur als Randgedanke :saint:
    • Du brauchst Dir nix vorwerfen, es schaffen nur ganz wenige. Ich bin auch wieder auf dem aufsteigenden Ast und weiss noch nicht was ich tun soll. Ich bin mit Escitalopram angstfrei und nehme sie auch lebenslang. Zugenommen habe ich davon nicht.
      Liebe Grüsse Heike ...... und @llseits einen schönen Tag :katze: :katze:
    • Um Gottes Willen, das ist nicht Deine Schuld! Es ist eher die Schuld der Ärzte, die trotz Binge Eating Syndrom operiert haben.

      Und dass Du von den Medikamenten Dauerhunger hast, ist auch nicht Deine Schuld, eine Kollegin hat durch das Medikament Cipramil explosionsartig zugenommen, 40 kg in kürzester Zeit.

      Ich wünsche Dir alles Gute und dass Dir schnell geholfen werden kann!
    • Hallo AnBa,
      Willkommen im Club. Ich bin dann wohl auch eine Versagerin...
      Schlauchmagen 2011 und 2025 fünf Kilo unter Ausgangsgewicht.
      November 2025 BaypassOP.
      So ist das Leben, wir werden ein Leben lang mit unserem Gewicht kämpfen müssen. Auch jetzt mit erneuter OP ist nicht alles rosig, der Kopf wurde ja nicht operiert.
      Gruß aus dem Norden
    • Du hast schon deshalb nicht versagt, weil du reflektiert bist und hier im Forum den ersten Schritt gegangen bist. Nimm dir bitte zu Herzen, was alle hier sagen: Adipositas ist eine Krankheit. Die erste Maßnahme (Schlauchmagen) hat kurzfristig gewirkt, nun sind weitere Massnahmen gefragt.
      Sport ist super, aber die Motivation kommt vielleicht erst im nächsten Schritt. Nutze den Frühling und die Helligkeit für einen Neustart und geh in ein Adipositaszentrum. Es sind immer noch weniger Kilos als bei deinem ersten Start. Sieh das als etwas Gutes ^^ . Ein weiteres Gutes sind deine Erfahrungen, die du bis hierher gemacht hast. Wenn du ein Snacker bist, eignet sich jetzt vielleicht ein Bypass oder Omega Loop. Dein Erfahrungsschatz (auch die schlechten) ist nützlich für deinen weiteren Weg. Vielleicht motiviert dich das.
      Kopf hoch, es wird wieder aufwärts gehen :friends:
    • Nachtrag: ich könnte mir vorstellen, dass ein Omega Loop sogar relativ einfach zu bauen wäre. Der Nagen ähnelt dabei einem Schlauchmagen (den du ja schon hast) und es ist nur eine Anastomose nötig. Du hast dann den Vorteil der Malabsorption. Vielleicht wäre das mit deinem jetzigen Gewicht eine Option, die du ansprechen könntest.
    • Lieber @AnBa, ich finde es unglaublich stark, dass du dich hier wieder zu Wort meldest!
      Ich schließe mich den anderen an und würde noch etwas ergänzen: evtl. kannst du ein anderes Antidepressivum bekommen, dass sich nicht so extrem aufs Gewicht auswirkt. Davon abgesehen hat ADHS einen extremen Einfluss aufs Gewicht und ist oft eine Komorbidität von Adipositas (oder umgekehrt). Grade Essen gibt Menschen mit ADHS einen riesigen Dopamin-Schub. Es würde also Sinn machen, das ADHS ebenfalls medikamentös zu behandeln. Evtl. fallen damit längerfristig sogar die Antidepressiva weg.

      Persönlich bin ich erst einen Monat Post-OP, kann also dazu (noch) nicht viel sagen, würde aber wahrscheinlich wie @tina0403 eine Umwandlung in einen Bypass in Betracht ziehen. Von Medikamenten wie Wegovy, etc. würde ich aktuell die Finger lassen. Es gibt inzwischen immer mehr Nebenwirkungen, die bekannt werden und in den USA gibt es inzwischen Massenklagen bzgl. Erblindung, etc.. Gerade mit weiteren Medikamenten würde ich nicht experimentieren.

      Die ersten wichtigen Schritte bist du ja bereits gegangen: du hast das Problem erkannt, formuliert und suchst dir Hilfe. Ich drücke dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass du bald einen Termin in deinem AZ bekommst, und du Hilfe bekommst. Du schaffst das!
    • Hallon AnBa,
      ich finde es toll dass Du hier schreibst und Dich eben weder gehen lässt noch versagst. Es kann im Leben immer anders kommen als erhofft und da hilft es nichts den Kopf in den Sand zu stecken. Prima dass Du Dir schon weitere Hilfen holst. Ich denke, zu schreiben und sich mitzuteilen ist wirklich das gegenteil von versagen. Bitte, Kopf hoch und weitergehen.